Warum Abtasten so wichtig ist

Je früher ein Tumor in der Brust erkannt wird, desto besser stehen die Heilungschancen. Worauf Frauen beim Abtasten achten sollten.

Wenn Frauen einen Knoten in ihrer Brust ertasten, ist das meist ein Schock. Fast unweigerlich ist die Sorge da: Könnte es Krebs sein? Vor lauter Angst verzichten manche Frauen lieber ganz auf die von Ärzten empfohlene Selbstuntersuchung. Aber die entdeckten Knoten müssen nicht automatisch bösartig sein. Manche verschwinden sogar ganz von selbst wieder.

Wie funktioniert die Selbstuntersuchung?

"Das Schema ist weniger wichtig", sagt Gynäkologe Wolfgang Janni von der Deutschen Krebsgesellschaft: "Vielmehr geht es darum, Veränderungen zu bemerken." Am besten sei es, wenigstens einmal monatlich - besser häufiger - immer zum gleichen Zeitpunkt des Zyklusses die Brust abzutasten. "Am besten beim Duschen, dann kann man gut mit den Fingerkuppen über die Brust streichen", rät Janni, der auch Direktor der Frauenklinik am Universitätsklinikum Ulm ist. Jeder Quadrant der Brust sollte betastet werden.

In der Untersuchung beim Frauenarzt ist der untersuchte Bereich noch größer: von der hinteren Achsel bis zum Brustbein und vom Schlüsselbein bis zum unteren Rand der Brust.

Wann sollte die Frau zum Arzt gehen?

Nicht jedes Knötchen ist Krebs, sondern kann auch zyklusbedingt nach ein paar Tagen wieder verschwunden sein. Deshalb sei ein ertasteter Knoten das am wenigsten eindeutige Zeichen für Brustkrebs. Mit Veränderungen, die nicht innerhalb von drei bis vier Tagen weggehen, sollte man zum Arzt gehen. Auch plötzliche Veränderungen wie Orangenhaut oder Rötungen sollten vom Arzt abgeklärt werden. Gleiches gilt, wenn die Brustwarzen ein blutiges oder milchiges Sekret absondern oder die Brustwarze sich einzieht. 

Reicht nicht die jährliche Tastuntersuchung beim Gynäkologen?

Ab 30 Jahren wird die jährliche Tastuntersuchung der Brust beim Gynäkologen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Dennoch sollten Frauen ihre Brust auch selbst im Blick behalten - so werden sie sensibel für Veränderungen, erklärt Fehm.

Wie geht es nach einem Verdacht bei der Selbstuntersuchung weiter?

Zunächst geht die Betroffene zu ihrem Frauenarzt. Viele haben selbst ein Ultraschallgerät in der Praxis für eine erste Untersuchung. In der Regel verweist der Gynäkologe an einen Radiologen zur Mammografie - also zum Röntgen der Brust. Wenn es nach dieser bildgebenden Diagnostik keine Entwarnung gibt, wird eine Gewebeprobe entnommen. An dieser Probe wird untersucht, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist. Mitunter wird dann die Diagnose Brustkrebs gestellt, vor der sich die Betroffene gefürchtet hat. Dann sollte sie ein Brustzentrum aufsuchen und sich dort weiterbehandeln lassen. Meist wird der Knoten dort operativ entfernt.

Ersetzt das Tasten - zu Hause oder beim Gynäkologen - die Mammografie?

Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre zum Screening eingeladen - die Kosten trägt die gesetzliche Krankenversicherung. Mithilfe dieses Verfahrens erkennen Ärzte selbst kleinste Verkalkungen. Eine Veränderung in der Brust so früh zu erkennen, kann Vorteile haben. Denn je früher ein bösartiger Tumor erkannt wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung.

 

Quelle: Artikel von Spiegel Online, 18.01.2017 (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/brustkrebs-warum-abtasten-so-wichtig-ist-a-1130537.html)

 

 


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